Hegels Philosophie


Hegels Philosophie ist dreistufig ausgebaut. Das Absolute ist in den Geist / die Vernunft „an sich“, „für sich“ und „an und für sich“ unterteilt. Sein System baut sich dialektisch auf.

Das „ an sich sein“ teilt sich noch einmal in Sein, Wesen und Begriff. Der Geist an sich wird in seiner „Wissenschaft der Logik“ als die Idee in einem zeit- und raumlosen Zustand des „an sich seins“ betrachtet. Dort entwickelt er seine Logik. Den allgemeinsten Begriff, den des , verneint er mit dem und löst den Widerspruch im . So entwickelt er diese Kette bis hin zum Absoluten und verarbeitet darin auch die Gegensätze zu seinen Thesen.

Das „für sich sein“ ist unterteilt in Mechanik, Physik und Organik. Es ist aber auch das „anders sein“ – seine Naturphilosophie. Hier ist das Absolute sich selbst am fremdesten.

Das „an und für sich sein“ ist auch in drei Teile unterteilt: den subjektiven Geist ( Anthropologie – Phänomenologie – Psychologie), den objektiven Geist ( Recht – Moralität – Sittlichkeit) und den absoluten Geist. Im subjektiven Geist geht es um den Mensch als Individuum. Hier wird der Geist sich selbst bewusst. Im objektiven Geist geht es um die Geschichte, aber auch um die Familie, die Gesellschaft und den Staat. Hier steht der Mensch unter den Gesetzen der Ethik.

Der absolute Geist ist auch unterteilt: Kunst – Religion – Philosophie.

Die Kunst begreift das Absolute in materieller Form aus dem, was sie sieht, also durch Anschauen. Die Religion dagegen versteht das Absolute durch Vorstellung. Sie begreift anhand von Bildern und Symbolen. Die höchste Religion ist für Hegel das Christentum, da sich in der Auferstehung das Absolute ( Göttliche) in der Endlichkeit zeigt. Doch die Philosophie versteht das Absolute durch Begriff. Sie erfasst das Absolute rational. Erst jetzt hat das Absolute völliges Selbstbewusstsein erlangt. An diesem Punkt identifiziert Hegel das Absolute mit Gott.

Mit seiner Dialektik wollte Hegel einen Rahmen schaffen, indem man Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft philosophisch verstehen kann. Die Geschichte ist, laut Hegels Erklärung durch die Dialektik, ein Prozess der Entwicklung, der immer wieder neu angestoßen wird. Der vollkommene Entwicklungsprozess von allem, was ist, ist das Absolute / der absolute Geist. Die Aufgabe der Philosophie ist seiner Meinung nach, den Verlauf der Entwicklung des Absoluten zu verfolgen und aufzuzeichnen. Das Absolute ist ein reiner Gedanke oder Geist, der sich auf sein letztes hinentwickelt. Dieser Prozess der Selbstentfaltung ist die Wirklichkeit des Absoluten.

„ Sofie zog den Korken aus der roten Flasche und setzte sie vorsichtig an den Mund. Der Saft schmeckte süß und seltsam, aber das war nur das eine; gleichzeitig geschah etwas mit der ganzen Welt um sie herum: Erst schienen ihr die Bilder des Sees, des Waldes und der Hütte zusammenzulaufen. Dann schien Sofie auch nur noch eine Person zu sehen, und diese Person war sie selber. Als sie schließlich einen Blick auf Alberto warf, schien auch der ein Teil ihrer selbst geworden zu sein. „Komisch“, sagte sie. „ Auf einmal scheint alles, was ich sehe, zusammenzuhängen. Ich habe das Gefühl, dass alles nur noch ein Bewusstsein ist.“ Alberto nickte – aber Sofie hatte das Gefühl, sich selber zuzunicken. „Das ist der Pantheismus oder die Einheitsphilosophie“, sagte Alberto. „Das ist der Weltgeist der Romantiker. Sie haben alles als ein einziges großes >Ich< erlebt. Es ist auch Hegel – der einerseits das einzelne Individuum nicht ganz aus den Augen verlor und andererseits alles als den Ausdruck der einen Weltvernunft auffasste.“

Hegel fasst also einerseits das Individuum an sich auf, das sich seiner selbst bewusst ist, das aber andererseits auch nur ein Teil eines Ganzen ist - der Familie, der Gesellschaft und dem Staat. Was aber wiederum nur ein Bestandteil des absoluten Geistes ist.

Wie kam Hegel zur Dialektik?

Johann Gottlieb Fichte versucht in seiner Wissenschaftslehre den ganzen Weltinhalt ( = Bewusstseinsinhalt) aus einem obersten Prinzip abzuleiten. Erster Schritt: Ich-Setzung (These); Zweiter Schritt: Entgegensetzung: Nicht-Ich (Antithese); Dritter Schritt: Geltung beider einschränken, damit sie sich nicht mehr ausschließen (Synthese) – der Gegensatz von These und Antithese verschwindet dadurch, dass beide Bedeutungen teilweise eingeschränkt werden.
Hegel erkennt Fichtes Dialektik an, doch er arbeitet an ihr weiter.

Hegels Dialektik besteht aus These, Antithese und Synthese. Die These ist in sich selbst unvollständig und fordert so eine Verneinung – die Antithese. Diesen Konflikt löst die Synthese.

Für Hegel hat die Synthese eine tiefere Bedeutung als für Fichte. Sie schränkt den Gegensatz nicht ein, sondern hebt ihn auf. Das Ausheben hat für Hegel einen dreifachen Sinn: negieren ( tollere) – emporheben ( elevare) – bewahren ( conservare). So überwindet sie den Konflikt, indem sie die Wahrheiten von These und Antithese auf einer höheren Ebene zusammenbringt. Und aus der entstandenen Synthese wird eine neue These, die wieder rum eine neue Antithese verlangt.

Bereits in seiner Jugend setzt Hegel mit der Philosophie Kants auseinander. In dessen Ethik wird der Mensch in Pflicht und Neigung zerrissen. Doch Hegel sieht den Mensch als Ganzes und möchte ihn so wieder zusammenbringen. Er findet die „Einigkeit des Menschen“ in der Liebe – dort ist er hin und her gerissen zwischen Pflicht und Neigung. So wird die Liebe Ausgangspunkt für Hegels Denken. Seine These ist, dass ein Liebender zuerst sich selbst akzeptieren / sich bejahen muss. Quasi als Verneinung geht er aus sich heraus und verliert sich selbst in der Liebe zum Geliebten. Doch indem er den anderen liebt und sich in ihm verliert, findet er sich auch im Geliebten wieder und wird sich selbst in einem tieferen Sinne bewusst. Somit sind Geliebter und Liebender ein Wesen. Hegel sagt: „ Der Geliebte ist uns nicht entgegengesetzt, er ist eins mit unserem Wesen; wir sehen nur uns in ihm – und dann ist er doch wieder nicht wir – ein Wunder, das wir nicht zu fassen vermögen.“

Ein anderes Beispiel: „ „Du kannst den Rationalismus von Descartes gut als These bezeichnen – der dann durch Humes empirische Antithese widersprochen wurde. Aber dieser Gegensatz, die Spannung zwischen zwei verschiedenen Denkweisen, wurde in Kants Synthese aufgehoben. Kant gab einerseits den Rationalisten und andererseits den Empirikern recht. Er zeigte auch, dass sich beide in wichtigen Punkten geirrt hatten. Aber die Geschichte endet nicht mit Kant. Kants Synthese wurde zum Ausgangspunkt für eine neue dreigeteilte Gedankenkette oder > Triade <. Denn auch die Synthese wird wieder zur These, und es folgt eine neue Antithese.“


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